Die Ensemblevertretung

Dorothee Hartinger

Die Ensemblevertretung wird von den Mitgliedern mit künstlerischen Verträgen (ohne die Mitglieder der Direktion) gewählt. Sie hat die Aufgabe, die Interessen und Belange der Mitglieder mit künstlerischen Verträgen gegenüber Leitung, Organisation und anderen externen Stellen zu vertreten.
Dorothee Hartinger
Mein Name ist Dorothee Hartinger, geboren bin ich in Bayern, war auf der Otto-Falckenbergschule in München und im Engagement am Schauspiel Frankfurt, Thaliatheater Hamburg, Salzburger Festspielen, bei Peter Steins Faustensemble und seit 2002 Ensemblemitglied im Burgtheater.   Ich bin alleinerziehende Mutter einer Tochter.

Welche Rolle und Verantwortung hat die Ensemblevertretung im zeitgemäßen Theater?

Dieses Amt ist ehrenamtlich, es gibt aber am Burgtheater ein kleines Budget, um z.B. Geburtstagsgeschenke zu besorgen oder kleinere Feste zu bestreiten.Aber es gibt keinen Kündigungsschutz, wie z.B. für den Betriebsrat.

Ich war 9 Jahre in der Ensemblevertretung des Burgtheaters in unterschiedlichen Konstellationen und natürlich ändert sich das Aufgabenfeld nach den aktuellen externen und internen Situationen und auch danach, wie aktiv sich die Ensemblevertretung einbringen und Zeit investieren möchte.

Letzten Endes krankt es für mich daran, dass die Ensemblevertretung kein Vetorecht und keine rechtlichen Hebel hat, um selbständig etwas umzusetzen oder Errungenes zu fixieren. So bleiben Verbesserungswünsche aus dem Ensemble letzten Endes immer vom Goodwill der Leitung abhängig. Wenn diese Lust auf Dialog und Expertise aus dem Ensemble hat, kann etwas bewirkt werden, wenn nicht, gibt es keine Möglichkeit etwas zu verändern oder Dinge, die sich in vorherigen Direktionen bewährt haben, umzusetzen. In einem zeitgemäßen Theater gibt es strukturierten und regelmäßigen Dialog ziwschen EV und Direktion.

Die EV als gewählte Vertretung des Ensembles hat im zeitgemäßen Theater also Handhabe, um unabhängig vom Goodwill der Direktion ins Handeln kommen zu können.

Im zeitgemäßen Theater übernimmt jedes Mitglied des Hauses gemeinnützige Aufgaben im Theater,  z.B. 2 Stunden pro Monat für Balkonbegrünung, Schülerclub, Umweltthemen, Gleichstellung, Integration, Barrierefreiheit, Kommunikation, etc.

Unser Miteinander und Zugehörigkeitsgefühl zum Betrieb werden immens gestärkt und das macht sich in den Produktionen auf der Bühne bemerkbar.

Außerdem übernimmt jeder erwachsene Mensch verpflichtend Aufgaben für die Allgemeinheit. Wenn wir alle Berührungspunkte mit diversen Bereichen in unserer Gesellschaft haben, ist die Welt eine andere.

Wo siehst Du die Grenzen der Rolle?

Solange es für Ensemblevertretungen keinen Kündigungsschutz, keine Anhörungs- oder Vetorechte gibt, läuft die Rolle Gefahr, ein reines Feigenblatt zu sein. Gestaltet wird auf diese Art nichts. Wenn aber die Kompetenzen erweitert sind, dann gewinnt das gesamte Theater.

Eine weitere Grenze liegt in der inneren Haltung: Eine Ensemblevertretung ist nicht gleich ein Ensemblevorstand. Die EV vertritt die Interessen des künstlerischen Personals nach Rücksprache und nicht nach Bauchgefühl, Glauben und per Ansage. Das erfordert eine Dialogbereitschaft und Offenheit.

Portrait Fotografie © Irina Gavric

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