Welche Rolle und Verantwortung hat der Betriebsrat im zeitgemäßen Theater?
Ein Betriebsrat ist gesetzlich nicht verpflichtend, aber ab fünf familienfernen Arbeitnehmer:innen im Betrieb möglich. Der Betriebsrat übernimmt die zentrale Funktion als Interessenvertretung der Arbeitnehmer:innen. Besonders im Theaterbetrieb, wo unterschiedliche Berufsgruppen mit verschiedenen arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen zusammenkommen, ist die Rolle vielschichtig und von großer Bedeutung. In der Regel gibt es im Theater getrennte Betriebsräte für künstlerische und technische Bereiche, da hier unterschiedliche Kollektivverträge gelten und somit auch unterschiedliche Bedürfnisse und Anliegen bestehen.
Es geht nicht nur darum, als Sprachrohr der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegenüber der Leitung aufzutreten, sondern auch als vermittelnde Instanz bei Problemen und Konflikten, um im Sinne aller Beteiligten lösungsorientiert zu handeln.
Besonders wichtig ist dabei die Verantwortung gegenüber den Kolleg:innen. Der Betriebsrat muss Vertraulichkeit wahren und stets im Sinne der Gemeinschaft handeln. Nur so kann das notwendige Vertrauen aufgebaut und erhalten werden, das für eine erfolgreiche Interessenvertretung unerlässlich ist.
Grundsätzlich gilt: Es soll immer auf Augenhöhe kommuniziert werden. Leider wird die Kunst allzu oft als das allerhöchste Ziel angesehen, das einige Opfer fordern kann. Aus dieser entstehenden Hierarchie heraus kann ein Verlust der Augenhöhe resultieren. Die Themen und Probleme der Technik mit Machtmissbrauch, sexuellen Übergriffen oder Übergriffen im allgemeinen mit denen sich betroffene Person an den Betriebsrat wenden, werden häufig nicht ernst genug genommen.
Der Betriebsrat im zeitgemäßen Theater ist fortlaufend gut geschult, frei von Abhängigkeiten und agiert auf Augenhöhe mit der Leitungsebene.
Wo siehst du die Grenzen der Rolle?
Meines Erachtens liegen die Grenzen des Betriebsrates darin, ein Klima aufzufangen. Der Betriebsrat soll im zeitgemäßen Theater beratend zu Seite stehen, bei Konflikten fair und lösungsorientiert handeln und nicht für die Durchsetzung der basalen Rechte eintreten müssen. Die Betriebsräte können vermitteln, aufklären und auf menschlicher sowie rechtlicher Ebene beratend zur Seite stehen, aber nicht die grundlegenden strukturellen Defizite eines Systems kompensieren, das auf Machtungleichgewicht und intransparenten Entscheidungsprozessen beruht. Die Verantwortung für ein respektvolles, faires und professionelles Arbeitsklima liegt nicht nur beim Betriebsrat, sondern bei der gesamten Institution – von der Intendanz über die einzelnen Abteilungsleitungen bis hin zu den Angestellten und Arbeiter:innen. Nur wenn diese Verantwortung gemeinschaftlich getragen wird, kann das Theater ein wirklich zeitgemäßer, solidarischer Arbeitsplatz sein.
Im zeitgemäßen Theater ist Theater nicht nur Kunst, es ist auch Arbeitsplatz. Ein Ort, an dem Menschen unter fairen, sicheren und transparenten Bedingungen arbeiten, egal ob auf und hinter der Bühne oder in der Verwaltung.
Der Betriebsrat soll nicht als Störfaktor im künstlerischen Schaffensprozess wahrgenommen werden, sondern als integraler Bestandteil einer Struktur, in der alle Arbeitsbereiche als gleichwertig anerkannt werden.
Damit Gleichwertigkeit gelebt werden kann, braucht es strukturelle Veränderungen:
1. Entmachtung informeller Hierarchien
Die bestehende Hierarchie zu Gunsten der Kunst macht andere Bereiche im Theater leicht unsichtbar und damit abwertbar. Alle Abteilungen müssten ein Selbstverständnis als Mitgestaltende haben und die Leitung muss sich ihrer Verantwortung als Arbeitgeber bewusst sein.
2.Stärkung der Rechte und Ressourcen des Betriebsrates
dazu gehören:
– reale Mitbestimmung, nicht nur Anhörung
– Schulungen, Supervision, Zugang zu externem Rechtsbeistand
– Geschützte Kommunikationsräume
– Eine Kultur die Whistleblower*innen schützt nicht marginalisiert.
3. Demokratisierung von Entscheidungsprozessen
Entscheidungen, die Arbeitsbedingungen betreffen, sollen unter Einbeziehung von technischen, administrativen und sozialen Perspektiven geplant werden, in festen Gremien mit Stimmrecht.
4. Sichere Räume für alle Mitarbeitenden schaffen
Ein zeitgemäßer Theaterbetrieb bietet Schutz bei Machtmissbrauch, Grenzverletzungen oder Diskriminierung. Der Betriebsrat muss in solchen Fällen ernst genommen werden, und es muss klare, institutionalisierte Verfahren geben – unabhängig von der persönlichen Nähe zwischen Leitung und Täter:innen. Nur so kann Vertrauen in die Institution wieder wachsen.
Im zeitgemäßen Theater wird nicht mehr nur für die Kunst gearbeitet, sondern auch für und mit den Menschen, die sie ermöglichen. Es geht um faire Arbeitszeiten, respektvolle Kommunikation und einen strukturellen Schutz der Belegschaft – getragen von einer Leitung, die Verantwortung übernimmt, und einem Betriebsrat, der unabhängig agieren kann.
Denn wahre Augenhöhe entsteht nicht aus guten Worten, sondern aus gleichen Rechten.
Rechte und Pflichten des Betriebsrates | Arbeiterkammer