Die Theaterleitung

Meike Sasse

Das Theater der Zukunft ist kein Gebäude, es ist eine Haltung.
Meike Sasse
Meike Sasse studierte Komparatistik sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaft (TFM) an der Universität Wien, wo sie anschließend als Lektorin und Redakteurin sowie als Lehrbeauftragte tätig war.   In der Spielzeit 2005/06 war sie als Regieassistentin am Volkstheater Wien engagiert. Es folgten kostümbildnerische Arbeiten am Dschungel Wien sowie eine Regie fürs Theaterfestival SCHÄXPIR in Linz.   Unter der Intendanz von Barbara Frey war Meike Sasse ab der Spielzeit 2009/10 zunächst als Dramaturgieassistentin, anschließend als Dramaturgin am Schauspielhaus Zürich engagiert. Dort entwickelte sie u.a. Konzept, Dramaturgie und Realisation unterschiedlicher Veranstaltungen und Formate.   Nach zwei Jahren als freie Dramaturgin und Lektorin in Wien und Zürich war sie von 2014 bis 2017 am Theater Regensburg engagiert, bis 2020 am Theater Oberhausen, wo sie für das Theater ein diversitätsorientiertes Handlungskonzept erarbeitet hat. Sie hat an verschiedenen Orten Festivals und Reihen aufgebaut und ins Leben gerufen (z.B. d.ramadan oder LET’ S ALLY).   Wiederkehrende Zusammenarbeiten mit Regisseur*innen Hannes Weiler, Nina Mattenklotz, Abdullah Kenan Karaca, Mélanie Huber, Kristo Šagor, Nicolas Stemann, Franziska Autzen. Am Theater Konstanz ist Meike Sasse Chefdramaturgin sowie Beauftragte für Diversitätsdiskurs und -entwicklung.   Außerdem kuratiert sie am Theater Prozesse für kulturelle Teilhabe und Inklusionsorientierung. Sie ist Botschafterin für das Programm „Kurswechsel Kultur: Netzwerk. Richtung. Inklusion.“ sowie das Pilotprojekt „Diversity Audit Kunst und Kultur“.

Welche Rolle und Verantwortung hat die Theaterleitung im zeitgemäßen Theater?

Das Theater der Zukunft beginnt heute

Es ist ein lebendiger, öffentlicher Möglichkeitsraum, in dem Gesellschaft sich selbst begegnet, befragt und neu denkt. Es ist ein Ort des künstlerischen Experiments und zugleich ein realer Arbeitsplatz, an dem Menschen wirken, wachsen und sich in ihrer Unterschiedlichkeit entfalten können.

Als Chefdramaturgin trage ich Verantwortung dafür, wie wir diese Zukunft schon heute gestalten. Meine Rolle ist nicht nur kuratorisch oder vermittelnd, sie ist auch strukturell, kommunikativ und kulturell wirksam. Ich verstehe mich als Teil einer Leitung, die Räume schafft: für Teilhabe, für Konflikte, für Entwicklung, für echtes gemeinsames Denken.

Ein zeitgemäßes Theater leitet man nicht im Alleingang, man führt es im Dialog.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Prozesse transparent zu gestalten, klare Kommunikation zu ermöglichen, künstlerische Vielfalt zu fördern und Organisationsformen zu entwickeln, in denen verschiedene Perspektiven gleichberechtigt wirken können. Ich möchte für eine Haltung einstehen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt: auf und hinter und vor der Bühne.

Ich stehe für ein Theater, das nicht aus Angst verwaltet, sondern aus Vision gestaltet.
Ein Theater, das aus Fehlern lernt, Hierarchien hinterfragt, systemische Machtstrukturen kennt und ihnen dann mutig entgegentritt. Ein Theater, das demokratische Werte nicht nur repräsentiert, sondern lebt. Das öffentliches Geld mit Verantwortung nutzt und künstlerische Freiheit schützt.

Wo siehst Du die Grenzen der Rolle?

Gleichzeitig sehe ich auch die Grenzen meiner Rolle.

Ich kann nicht alles allein verändern. Leitung heißt auch, Spannungen auszuhalten: zwischen Anspruch und Realität, zwischen Gestaltung und Struktur, zwischen Tempo und Fürsorge. Nicht alles liegt in meiner Macht. Aber vieles liegt in meiner Haltung.

Deshalb setze ich auf Führung, die Vertrauen gibt, Orientierung bietet und Entwicklung möglich macht. Auf ein Theater, das mit der Zeit und aus sich selbst heraus lernt.
Auf ein Theater, das sich als aktiver Teil einer offenen Gesellschaft versteht.

Die Zukunft ist kein ferner Ort. Sie beginnt mit jeder Entscheidung, die wir heute treffen. Auf der Bühne und in den Pausengesprächen. In der Spielzeitplanung und in der Art, wie wir miteinander sprechen.

Sie beginnt in unseren Räumen, in unseren Worten, in unserem Mut zur Veränderung.

Portrait Fotografie © Ilja Mess

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