Welche Rolle und Verantwortung hat die Schauspielerin im zeitgemäßen Theater?
Seit ich diesen Beruf ausübe, war ich immer nur mit zeitlich begrenzten Verträgen an den jeweiligen Theaterhäusern oder bei Kulturorganisationen engagiert. Das hat zur Folge, dass man Teil einer bestehenden Struktur wird und sie dann wieder verlässt. Ausschlaggebend dabei ist für mich, dass man das mit vollem Einsatz macht, mit Achtsamkeit und Respekt. Es ist wichtig einerseits Verantwortung zu übernehmen und andererseits auch bestehende Strukturen achtsam und kritisch zu betrachten.
Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass Theater, die eine lange einzelne Intendanz haben, sich schwerer tun, die eigenen Strukturen zu hinterfragen, was einerseits nachvollziehbar ist, weil, wenn etwas gut läuft, bedarf es keiner kritischen Hinterfragung. Andererseits wird dadurch ein System gefördert, dass hierarchisch geprägt ist. Dadurch ist die Gefahr größer den Ensemblegedanken insofern zu gefährden, dass kritisches Hinterfragen weniger Raum bekommt. Eine offene und professionelle Arbeitsatmosphäre wird schwieriger.
Positive Erfahrungen habe ich mit Team orientierten Theaterleitungen und Festspielen gemacht. Theater, die transparent, offen und Team orientiert arbeiten, empfangen auch Gäste, also Schausieler*innen in Zeitvertägen auf Augenhöhe. Die Arbeitsatmosphäre ist offen, gemeinschaftlich und unterstützend, und das ist eine wichtige Voraussetzung für eine professionelle und gute Zusammenarbeit.
Wo siehst Du die Grenzen der Rolle?
Als Schauspielerin übernehme ich Verantwortung und achte auch darauf, dass ein gemeinsamer Diskurs immer aufrecht bleibt. Ich bestimme nicht den Diskurs, sondern bringe mich ein. Es gibt immer viele verschiedene Sichtweisen. Es ist wichtig, allen Raum zu geben. Gerade als Gast ist es wichtig, mit bestehenden Strukturen respektvoll umzugehen, und nicht vorschnell zu urteilen.