Fördergeber:innen

#nichtEuerGeld

Wer Kultur fördert, verwaltet nicht Privatmittel, sondern das Geld aller. Damit geht Verantwortung einher: Nicht nur für Produktionen, sondern für die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird. Was gefördert wird, prägt, was Bestand hat, und was sich verändert.

Welche Rolle und Verantwortung haben Fördergeber:innen im zeitgemäßen Theater?

Förderung ist damit mehr als Ermöglichung: Sie setzt Standards, stärkt Strukturen und trifft Grundsatzentscheidungen über Haltung, Sicherheit und Lernfähigkeit. Förderung darf erwarten, dass geförderte Institutionen Verantwortung übernehmen. Dazu gehört: Erwartungen klar benennen, Ergebnisse einfordern.
Gute Förderpraxis liegt jenseits von Projektlogik, Reputationsmanagement und Leistungskennzahlen. Sie setzt auf vernunftbegabtes, eigenverantwortliches Handeln, nicht auf Fernsteuerung. Und sie schützt genau dadurch jene Unabhängigkeit, die kritische Kultur braucht.

Rechenschaft ist kein Misstrauen

Verantwortung beginnt mit überprüfbaren Grundlagen.

Fördergeber:innen haben das Recht – und die Pflicht – nach belastbaren Rückmeldeschleifen zu fragen. Viele Daten liegen bereits vor oder sind ohnehin gesetzlich verpflichtend zu erheben. Etwa die vorgeschriebene regelmäßige Erhebung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz (ASchG, seit 2013).

Weitere mögliche Instrumente:

    • Anonyme Befragungen zu Arbeitsklima, Führung, Diskriminierung

    • Berichte zu Schutzmaßnahmen, Diversität, Weiterbildung

    • Externe Audits zu Organisationskultur und Beschwerdemechanismen

Ein erster Schritt ist es, die geförderten Institutionen aufzufordern, gesetzliche Vorgaben einzuhalten und dies auch regelmäßig nachweisen zu lassen.

Ob vertraglich geregelt oder informell: Entscheidend ist, dass es überprüfbare Ergebnisse gibt. Und dass Nichterfüllung Folgen hat. Wer öffentliche Mittel bezieht, muss mit Konsequenzen rechnen, wenn vereinbarte Entwicklungen ausbleiben.

Gute Förderpraxis schafft Räume; nicht durch Kontrolle, sondern durch nachvollziehbare Kriterien. Sie wirkt systemisch, nicht kleinteilig. Und sie nutzt ihre Hebel gezielt, um kulturelle Qualität auch jenseits der Produkte abzusichern: in Führungsfragen, Schutzkonzepten, Beteiligungsformen.

Wer Rechenschaft als Teil von Qualität versteht, stärkt nicht nur Strukturen, sondern auch die Autonomie der Kunst.

Was sind die Grenzen der Rolle? 

Fördergeber:innen gestalten mit – aber sie leiten nicht. Sie greifen nicht in Personalentscheidungen ein, machen keine inhaltlichen Vorgaben und übernehmen keine operative Aufarbeitung. Wer diese Grenze verwischt, gefährdet Vertrauen, künstlerische Freiheit und institutionelle Selbstverantwortung. Erwartungsdruck, stille Sanktionen oder öffentliche Einflussnahme haben in einer reflektierten Förderbeziehung keinen Platz.

Klar abgegrenzte Rollen machen Handeln erst möglich. Fördergeber:innen schaffen Voraussetzungen, während die Umsetzung bei den Kulturinstitutionen liegt. Das heißt auch: Rechenschaft einfordern, Ergebnisse bewerten, Konsequenzen ziehen. Aber ohne direkte Steuerung.

Was sich verändert, ist Sache der Leitung. Ob sich etwas verändert, ist Sache der Förderung.

Und in Österreich verändert sich etwas: Am 01.07.2025 wurden aktualisierte Richtlinien für die Gewährung von Förderungen durch das BMWKMS veröffentlicht.

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