Intervention

Phase #1

Die Interventionsphase dient dem sofortigen Schutz der Betroffenen und dem Krisenmanagement bei Verdacht auf Machtmissbrauch oder anderem Fehlverhalten.

Grundlegendes

Die Interventionsphase dient dem sofortigen Schutz der Betroffenen und dem Krisenmanagement bei Verdacht auf Machtmissbrauch oder anderem Fehlverhalten. Sie beginnt mit der ersten Reaktion auf eine interne oder externe Meldung zu möglichem Fehlverhalten und zielt darauf ab, akuten Schaden abzuwenden, Betroffene zu schützen und eine Eskalation zu verhindern.
Zentral ist dabei das Gewährleisten von Schutzmaßnahmen und die Wahrung der Handlungsfähigkeit der Kulturinstitution. Eine solide Vorbereitung, in Form von klaren Zuständigkeiten, definierten Abläufen und transparenten Entscheidungswegen, ermöglicht sicheres und wirksames Handeln im Krisenfall.
Intervention erfordert Haltung, Entscheidungsfreude und Mut zur Übernahme von Verantwortung. Sie ist dann glaubwürdig, wenn sie Betroffene schützt, das Umfeld einbezieht und eine unabhängige Untersuchung vorbereitet.

Reflexionsfragen zur Interventionsphase

  • Sind unsere Schutzmaßnahmen für Betroffene und Hinweisgeber:innen im Krisenfall klar definiert und tatsächlich aktivierbar?
  • Können wir innerhalb von 24 Stunden ein handlungsfähiges Krisenteam mit klaren Rollen aktivieren – und wer trifft diese Entscheidung?
  • Welche inneren oder institutionellen Widerstände bzw. Hürden könnten uns davon abhalten, eine unabhängige, ergebnisoffene externe Untersuchung zu beauftragen?
  • Wer in unserem Haus kann interne und externe Kommunikation glaubwürdig mittragen – auch wenn es schwierig wird?
  • Wie sprechen wir über eine beschuldigte Leitungsperson – ohne Vorverurteilung, aber mit Verantwortungsübernahme?

Ziele der Interventionsphase

  • Schutz betroffener Personen (räumliche Distanz, psychologische Unterstützung, Ruhe vor medialen Druck)
  • Wahrung der Integrität der Kulturinstitution
  • Aufbau und Erhalt von Vertrauen
  • Übernahme von Verantwortung durch die Kulturinstitution

Zentrale Elemente

  • Falls vorhanden: Aktivieren des Schutzplans
  • Aktivieren bzw. Formieren eines Krisenstabs mit klaren Zuständigkeiten und Befugnissen
  • Klares Handeln: Schnelles, transparentes und situationsgerechtes Handeln
  • Sofortige Schutzmaßnahmen für Betroffene
  • Vorbereitung und Übergabe an eine unabhängige Aufklärung

Maßnahmen und Abläufe

1. Schnelle und glaubwürdige erste Kommunikation
  • Gerüchten vorbeugen durch klare Kommunikation
  • Schnelle und klare erste Reaktion ohne Abstreiten binnen 24 Stunden
  • Veröffentlichung einer ersten Stellungnahme, z. B.: „Wir stehen für ein positives Miteinander, dulden kein Fehlverhalten und lassen die Vorwürfe extern untersuchen.“
  • Unterlassen von vorschnellen Entschuldigungen, Schuldzuweisungen, Abwehrreaktionen oder Verdächtigungen (“Maulwurfsuche”)
2. Koordination und interne Struktur
  • Bildung einer übergreifenden Interventionsgruppe mit Vertretungen aus Leitung, Compliance sofern vorhanden, Personal, Kommunikation sowie glaubwürdigen internen Schlüsselpersonen
3. Schutz und Unterstützung
  • Verweis, Aktivieren oder Einrichten anonymer Meldewege und psychosozialer Hilfsangebote
  • Glaubwürdige Gewährleistung von Schutz vor Repressionen für Hinweisgeber:innen
  • Bei schweren Vorwürfen: zunächst befristete Freistellung der beschuldigten Personen
4. Übergabe an unabhängige Aufklärung
  • Beauftragung einer unabhängigen, interdisziplinär besetzten Prüfungskommission mit Mitgliedern aus verschiedenen Fachdisziplinen und Mandat zur Untersuchung sowie hinreichendem Zugang zum Untersuchungsgegenstand

Kommunikative Leitprinzipien

(besonders in dieser Phase)
  • Anwendung der allgemeinen Kommunikationsprinzipien (siehe Rahmenmodell)
  • Zusätzliche Anforderungen:
    • Transparente Kommunikation über erste Schritte und weiteres Vorgehen
    • Unschuldsvermutung wahren, Spekulationen vermeiden
    • Interne Kommunikation priorisieren: Raum für Fragen und Sorgen, Dialogräume schaffen (z. B. moderierte Safe/Brave Spaces); Vorbereitung der Belegschaft auf produktive Mitarbeit
    • Einsatz glaubwürdiger Sprecher:innen – ggf. extern
    • Kommunikationsmaßnahmen im Mehr-Augen-Prinzip abstimmen

Nächste Phase lesen

Untersuchung

Phase #2
Die Untersuchungsphase beginnt unmittelbar nach der Interventionsphase mit der Übergabe des Falles an eine unabhängige, multidisziplinäre Prüfinstanz oder Untersuchungskommission.
Lesen

We are working on it!

We are working on the English version of the Website. Coming soon!